Das Essen von Information

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Das Essen von Information

von

Rudi Zimmerman

Liebe Freundin, sehr geehrter Leser,

schon meine Mutter wunderte sich darüber, dass ich mir gern Gedanken über ungelegte Eier mache. Da war ich noch ganz klein und wusste gar nicht, was sie damit meinte. Ich fand nur gelegte Eier langweilig. Die isst man auf und fertig ist die Laube. Nun habe ich allerdings selbst das Gefühl, dass dieses Ei, über das ich jetzt schreibe, bisher noch nicht gelegt wurde. Und das wundert mich.
Mir ist niemand bekannt, der sich bisher Gedanken darüber gemacht hat, was mit den Informationen passiert, die wir ständig essen. Und ich meine damit nicht das Lernen, also die Aufnahme geistiger Inhalte mittels des Gehirns, sondern die mit der Nahrungsaufnahme verbundene Einverleibung von Datenträgern, in denen Information gespeichert ist.

Die Nahrungsaufnahme

Wenn wir feste Nahrung zu uns nehmen, zerkleinern wir diese zunächst mechanisch, im Mund. Im Magen zerkleinern wir dann chemisch. Und im Darm resorbieren wir sie, nehmen sie in unseren Körper auf. Dort gelangt sie in unser Blut. Im Darm war sie ja noch außerhalb des Körpers in einem Schlauch, der unseren Körper durchzieht.
Ich spreche jetzt also nicht von kleinen Molekülen, die wir einatmen können (z.B. Sauerstoff) oder die durch die Darmwand hindurch diffundieren (z.B. Alkohol), sondern von größeren Molekülen, die wir in der Darmwand aktiv aufnehmen.
Die Muskelmasse unserer größeren tierischen Mitbewohner der Erde liefert uns Eiweiße, die wir nach deren Ermordung auf diese mechanische und chemische Weise bis zu Aminosäuren zerkleinern, ihre Fette zerkleinern wir bis zur Größe von Fettsäuren, ihre Kohlehydrate (Stärke usw.) minimieren auf die Größe von Di- oder Monosachariden. Diese – natürlich die Aminosäuren - benutzen wir dann zum Aufbau eigener Eiweiße, bilden aus den Fettsäuren körpereigene Fette und nutzen die Kohlehydrate (z.B. Glucose) zur Energiegewinnung. Aber was machen wir mit den Informationsträgern, die wir hinunterschlucken?

Die essbaren Informationsträger

Welches sind eigentlich die Informationsträger, die wir täglich mit der Nahrung zu uns nehmen?

Der kleinste Baustein jedes lebenden Systems ist die Zelle. Wir essen ehemals lebende Systeme oder Teile von ihnen in Form von Pflanzen und Tieren. Pflanzen produzieren ja Früchte, die direkt zur Ernährung von Tieren gedacht ist – im Gegenzug verbreiten die Tiere dann die Samen der Pflanzen, weil sie diese Samen nicht verdauen (also nicht in ihren Körper aufnehmen) und im Kot anderswo wieder ausscheiden. Das Tier ist hier der Effektor der Pflanze und wird dafür statt mit Geld mit Energie (Kohlehydraten) bezahlt. Die Samen sind ja Informationsträger. Diese werden in dem Fall nicht verdaut, sondern verbreitet. Die Bildung von Exkrementen dient also der Informationsausbreitung und der Informationsvermehrung.

Manche Tiere und auch der Mensch essen aber auch Tiere. Und dabei stellt sich auch die Frage, wie sie mit den Informationsträgern dieser Lebewesen umgehen.

Grundsätzlich hat jede tierische und jede pflanzliche Zelle einen Zellkern. Diese Zellkerne essen wir selbstverständlich immer mit – ohne uns Gedanken darüber zu machen.

Und wie Sie wissen, liebe Freundin, enthält jeder Zellkern mindestens einen Chromosomensatz, manche gezüchtete pflanzliche Zelle sogar mehrere (wie der Weizen). Die Chromosomen bestehen aus DNS-Fäden, die als Doppelhelices angeordnet sind. Und diese Chromosomen enthalten alle Informationen, die zur Herstellung der entsprechenden Pflanze oder des Tiers, was wir gerade genüsslich verspeisen, erforderlich sind. Wir schlucken also diese Informationsträger hinunter und die erste Frage lautet, bis zu welcher Größe bzw. Kleinheit zerkleinern wir sie im Darm? Zerkleinern wir sie bis zu Nucleinbasen? Oder nehmen wir die Nucleotide im Darm auf, aus denen alle DNS-Fäden zusammengesetzt sind?
In dem Fall wäre die Information zerstört, bevor sie unseren Körper betritt. Das wird der Normalfall sein.

Eine Erbinformation ergibt sich erst aus der Sequenz (aus der Reihenfolge) der Nucleotide und für die Codierung von 1 Aminosäure wäre eine Verbindung von 3 Nucleotiden erforderlich. Die Erbeinheiten, die diese Ketten von Basentripletts bilden, nennt unsere Wissenschaft ja Gen. Dies ist bereits ein großer Abschnitt eines Chromosoms. Die kleinste Einheit ist ein Codon. Theoretisch wäre also auch denkbar, dass wir sie in der Größe von Codons resorbieren könnten.

Im Normalfall werden die Nucleotide im Darm sicher weiter zerkleinert bis zur Größe der 4 Nucleinbasen (Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin). Aber wenn der Darm mal entzündet ist und seine Wand nicht richtig funktioniert, passieren eventuell auch kleine Informationsträger die Darmwand und gelangen ins Blut?

Übersichtshalber das Ganze noch mal in anderer Reihenfolge: eine Nucleinbase (z.B. Adenin) bildet mit einem Einfachzucker (Ring) sowie einem Phosphat ein Nucleotid und 3 Nucleotide codieren eine Aminosäure, den kleinsten Bestandteil eines Eiweißes. Chemisch bilden abwechselnd ein Einfachzucker und eine Phosphorsäureester Ketten, wobei am Zucker immer eine Nucleinbase hängt (Zucker + Base + Phosphorsäure = kleinste Nucleinsäure, eine lange Kette davon wäre z.B. eine DNS, eine Desoxyribonucleinsäure).

Schon kleinere DNS-Fäden, die ohne Zellwand leben, nennen wir übrigens Viren. Eventuell könnten wir also auch Viren über die Darmwand aufnehmen, die in unsere Zellen eindringen und dort die Reproduktion der Zellen in ihrem Sinn umsteuern, sich selbst dadurch vermehren oder Krebszellen erzeugen?
Falls Viren über den Verdauungstrakt in uns eindringen können, wäre das der Beweis, dass auch beim Essen von Zellen ganze Erbinformationen (Gene) in uns eindringen können.

Vielleicht wählt unser Darm ja auch aus, welche Nucleinsäuresequenzen für uns nützlich sind und die Darmwand passieren dürfen und welche nicht?

Die Verwendung von Nucleinbasen

Die von uns im Darm aufgenommenen Aminosäuren können wir gut für die Bildung eigener Eiweiße verwenden, die Fettsäuren können wir zu körpereigenen Fetten zusammensetzen und die Nucleinbasen können wir gut gebrauchen, um bei der Zellteilung unsere eigenen Informationsträger – also Gene bzw. DNS-Fäden und Chromosome - zu bilden. Es sterben ja laufend Zellen in unserem Körper ab und werden durch neue ersetzt – in 7 Jahren haben wir ja angeblich nach den Erkenntnissen unserer Wissenschaft einen gänzlich neuen Körper, der leider trotzdem altert. Für diese Zellerneuerung benötigen wir natürlich auch Nucleinbasen.

Falls wir – vielleicht im Krankheitsfall (s.o.) - auch längere Ketten von Nucleinbasen (=Nucleobasen) aufnehmen können, würden wir damit auch die Informationen mit aufnehmen, die darauf gespeichert sind. Und eventuell könnten wir diese Informationen auch bei der Zellteilung in neue Zellen einbauen. Auf diese Weise könnten Information an der Vererbung vorbei von allen Tieren, nicht nur vom Menschen, aufgenommen werden. Pflanzen verdauen ja nur kleinere Substanzen – oder könnten sie über ihre Wurzeln auch Nucleinsäureketten aus der Erde aufnehmen, in der wir als Leiche verbuddelt wurden?

Ergebnis

Liebe Freundin, sehr geehrter Leser,
leider kann ich Ihnen keine Ergebnisse meiner Überlegungen mitteilen. Ich hinterlasse Ihnen heute nur Fragen. Ich unterlasse es hiermit auch, weitere Fragen zu stellen, die mir zu diesem Thema einfallen. Die Wissenschaft sollte sich daran machen, meine Fragen zu beantworten. Meine Aufgabe besteht ja zum Glück für mich nur darin, Fragen zu stellen. Einen Vorschlag unterbreite ich jedoch noch: sollte man nicht die Deklarationspflicht auf Lebensmitteln erweitern und auch die Menge an Nucleinbasen im Nahrungsmittel von der Nahrungsmittelindustrie deklarieren lassen?
Natürlich beantworte ich auch immer gern meine eigenen Fragen, falls mir eine Antwort einfällt -  was ja sehr häufig der Fall ist. Aber heute ist es sehr heiß. Vielleicht liegt es an dieser Hitze, dass mir heute keine Antworten einfallen.

Vielleicht aber später. Es ist ja noch nicht aller Tage Abend.

Bis dahin alles Gute. Genießen Sie das Leben möglichst sorgenfrei.

Ihr Rudi Zimmerman, Webphilosoph, den 7.6.2016

p.s.: denken Sie, liebe Freundin, beim Essen bitte nicht an die Aminosäuren, Fettsäuren und Nucleinbasen, die sie verspeisen und auch nicht an die Tiere, die dafür ihr Leben geopfert haben, sondern konzentrieren Sie sich auf Ihre Zunge und genießen Sie den Geschmack der Speisen, die Sie gerade genießen

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