Der Sinn lebender Systeme

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Der Sinn des Lebens

Liebe Freundin, lieber Leser.

Die Fragestellung

es wird ja oft behauptet, dass materialistische Philosophie nicht in der Lage sei, den Sinn des Lebens festzustellen. Das ist Unsinn und hat mich motiviert, mich zu dieser Frage noch enmal zu äußern. Meine Philosophie lebender Systeme ist materialistisch in dem Sinn, dass sie auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Und auf sie trifft das jedenfalls nicht zu. Das kann ich Ihnen als Begründer dieser Philosophie kompetent sagen und möchte diesen Sinn nochmals erläutern.

Gemeint ist hier erst einmal nicht der Sinn individuellen Lebens, liebe Freundin, sondern zunächst der objektive Sinn des Lebens überhaupt. Genauer formuliert: der Sinn der Existenz lebender Systeme. Also die Antwort auf die Frage, auf welches Ziel hin sich lebende Systeme immer weiter entwickeln. Wie Sie ja wahrscheinlich bereits wissen, widerspreche ich in dieser Hinsicht vehement der gängigen Wissenschaft, die behauptet, die Evolution habe kein Ziel.

Es sei vorweg gesagt, dass das System Menschheit (die Menschheit auf der Erde insgesamt) ein lebendes System höherer Ordnung darstellt, das dem Individuum, dem System Mensch als Individuum übergeordnet ist, wie beispielsweise das nicht lebende System Wasser dem System Wassermolekül übergeordnet ist.

Der einzelne Mensch kann seinem individuellen Lebens zusätzlich zum objektiven einen subjektiven Sinn geben oder dies auch unterlassen, das System Menschheit hat einen naturwissenschaftlich feststellbaren objektiven Sinn. Um den geht es hier. Und für diesen Sinn ist das Leben des Individuums, also Ihr Leben, lieber Leser, und auch mein Leben, völlig nebensächlich. Wir sind alle austauschbar, auf unser individuelles Leben kommt es dabei gar nicht an.

Zunächst erläutere ich den objektiven Sinn lebender Systeme überhaupt, also den Sinn des Lebens, und danach den Sinn menschlichen Lebens (den Sinn des Systems Menschheit). Zum Schluss mache ich dann noch einmal eine kurze Ausführung zum Sinn individuellen Lebens.

Die Berechenbarkeit von Ortsänderungen von Systemen

Der Sinn des Lebens überhaupt erschließt sich am besten im Vergleich zur Existenz nicht lebender Systeme und deren Verhalten. Wie Sie wissen, liebe Freundin, verwende ich zur Verdeutlichung bei der Beschreibung lebender Systeme gern Begriffe, die eigentlich zur Beschreibung nicht lebender Systeme erfunden wurden, und umgekehrt. Nicht lebende Systeme haben nach allgemeiner Definition kein Verhalten, sondern sie vollziehen Ortänderungen, die naturwissenschaftlich mathematisch beschreibbar sind und nur lebende Systeme zeigen danach ein Verhalten, dessen Kennzeichen angeblich die Nichtberechenbarkeit ist. Weil das so allgemein falsch ist, was ich an anderer Stelle zeige, vertausche ich die Begriffe gern.

Der Sinn der Existenz nichtlebender Systeme

Nicht lebende Systeme innerhalb des Universums unterliegen dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik. Es wird oft vergessen, dass dieser Hauptsatz aus der Physik, die sich ja gar nicht mit lebenden Systemen beschäftigt, auch nur für nichtlebende Systeme gilt. Diese Nichtlebenden Systeme verfügen im Übrigen auch nicht über Geistiges. Dieser 2. Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass Wärme nur in eine Richtung fließt und fließen kann, nämlich vom Warmen zum Kalten. Es gibt zwar keine Wärme, sondern nur Bewegung von Molekülen, und je mehr sich diese bewegen, desto wärmer ist die Materie, die aus diesen Molekülen besteht, aber dennoch gilt dieser Satz.

Man darf sagen, dieser Satz ist wahr. Für einen Philosophen ist es ja immer schön, wenn er einen Satz formulieren kann, der wahr ist. Heutzutage finden aber leider nicht die Philosophen solche wahren Sätze, sondern die Physiker und Mathematiker. Früher waren es noch die Pythagoräer, also Philosophen, die derartige Wahrheiten formulierten, wie den Satz, dass im rechtwinkliger Dreieck die Seite a zum Quadrat plus b zum Quadrat gleich c zum Quadrat ist, die Winkelsumme im Dreieck immer 180 Grad beträgt und anderes.

Heute haben es die Physiker übernommen, weitere wahre Sätze zu entdecken. Aber der Philosoph darf diese Wahrheiten übernehmen und sich freuen.

Einer dieser wahren Sätze ist dieser 2. Hauptsatz der Thermodynamik.

Ich möchte nun aber darauf hinweisen, dass die nichtlebenden Systeme, für die dieser Satz gilt, Systeme höherer Ordnung sind. Für das nichtlebende System Molekül gilt dieser Satz nicht. Denn innerhalb des Moleküls fließt überhaupt keine Wärme. Wärme fließt nur zwischen nichtlebenden Systemen höherer Ordnung, wie beispielsweise 2 verschieden warme Mengen Wasser, die in Kontakt kommen, beispielsweise zusammengegossen werden. Da gleichen sich die schnellere Bewegung der Moleküle im wärmeren Wasser denen der sich langsamer bewegenden Moleküle des kälteren Wassers an. Die einen werden langsamer, die anderen schneller, bis alle gleich schnell sind.

Auf diese Weise nimmt das Universum im Lauf der Zeit eine Einheitstemperatur an, so dass sich am Ende alle Moleküle schnell bewegen und sich nichts mehr ändern kann. Das Universum ist dann den Wärmetod gestorben.

Ein anderer Begriff dafür ist der der Entropie. Die Entropie nimmt also ständig zu. Das ganze kann man auch Informationstheoretisch oder anders beschreiben (die Unordnung nimmt ständig zu). Es bleibt jedoch dabei, dass es innerhalb eines geschlossenen Systems, wie dem Universum, die Entropie nur zunehmen kann bzw. Warmes nur zum Kalten fließen kann und nicht umgekehrt.

Der Sinn der Existenz lebender Systeme überhaupt

Die eben erwähnten nicht lebenden Systeme höherer Ordnung, die aus sehr vielen Molekülen bestehen, kann man als geschlossen betrachten. Das ist zwar eine Vereinfachung, aber sie ist zur Verdeutlichung der Sache wichtig. Lebende Systeme sind im Gegensatz dazu nämlich offen. Sie nehmen Nahrung (Materie) und Energie auf und geben Energie und Materie ab. Sie haben Ausscheidungen. Auch der Mensch ist ein offenes System, das Materie aufnimmt (z.B. isst) und Materie ausscheidet.

Und wie jeder weiß, hat der Mensch und andere Warmblüter immer die gleiche Körperinnentemperatur. Er gibt zwar – besonders im Winter – ständig Wärme ab, stellt diese Wärme durch Verbrennung seiner Nahrung aber immer wieder her. Er wirkt also diesem Gesetz der Entropie entgegen. Seine Körperinnentemperatur gleicht sich nicht der Umgebung an. Wärmeverluste werden sofort wieder ausgeglichen. Wird er im Sommer zu warm, hat er aber auch Mechanismen, den Körper zu kühlen (Schweißbildung).

Der Mensch und alle anderen lebenden Systeme arbeiten dieser Entropie entgegen. Sie verhalten sich anti-entropisch bzw. extropisch.

Man kann das auch anders formulieren, lieber Leser. Nämlich informationstheoretisch. Dann heißt dies, lebende Systeme schaffen Ordnung, während nichtlebende Systeme dem Gesetz der Schaffung von immer mehr Unordnung (= Entropie) unterliegen.

Oder philosophisch formuliert: der Sinn lebender Systeme besteht in der Schaffung von Ordnung bzw. der Herstellung von Extropie. Lebende Systeme wirken anti-entropisch.

Die Gegenargumente der Physiker

Diese Definition des Sinns von Leben ruft natürlich die Physiker auf den Plan. Ihr Argument ist: bei der Schaffung von Extropie (Schaffung von Ordnung) wird nicht nur sehr viel Energie verbraucht, um die Welt außerhalb des Menschen (die Natur, wie nicht nur der Biologe es bezeichnet) im Sinn der Extropie zu verändern, sondern es geht dabei immer auch sehr viel Energie verloren. Alle Maschinen eine begrenzte Energieausbeute, ihr Wirkungsgrad ist nie 100%ig. Das nennen sie Dissipation. Es dissipiert immer Energie, die sinnlos verpufft. Insgesamt nehme dadurch im Universum die Entropie trotzdem immer weiter zu, bis das Universum den Wärmetod stirbt, also sich im Zustand des thermischen Gleichgewichts befindet.

Ein weiteres Argument ist natürlich das der Menge. Der weitaus größte Teil der Materie des Universums ist ja in Form nichtlebender Systeme organisiert, in Sternensystemen und Galaxien ohne lebende Systeme. Nur ein geringer Bruchteil der Materie hat sich in Form lebender Systeme organisiert. Und dieser geringe Teil hat auf das Universum so gut wie keine Auswirkungen.

Die Berücksichtigung von Entwicklung und der Sinn des Systems Menschheit

Diesem Argument kann man jedoch die Entwicklung entgegensetzen. Berücksichtigt man die Veränderungen, die beobachtbar sind, also die Entwicklung, so ergibt sich, dass die Physik den Jetztzustand zwar richtig beschreibt, aber die Evolution lebender Systeme nicht berücksichtigt. Lebende Systeme auf dem Planeten Erde haben sich in sehr kurzer Zeit sehr schnell entwickelt, im Vergleich zur Existenzdauer des Universums. Von der Entwicklung vom Einzeller bis zum Menschen und vom ersten Menschen bis zum Jetztmenschen ging nicht kontinuierlich voran, sondern sehr dynamisch. Die Beschleunigung dieser Evolution fällt besonders bei der Evolution vom Steinzeitmenschen zum Menschen der Gegenwart auf, wenn man das Ganze betrachtet – nämlich nicht nur die Evolution, die mit der Veränderung der Gene verbunden ist.

Genetisch hat sich der Mensch im Vergleich zum Affen kaum verändert. Die Entwicklungsdynamik hat sich nämlich durch das Erscheinen des Geistigen und besonders der Vernunft stark beschleunigt.

Deshalb möchte ich, sehr verehrter Leser, auf diese Entwicklung des Geistigen besonders eingehen

Das Geistige

Geistiges, also Nichtmaterielles, benötigt stets ein materielles Speichermedium. Materie ist also Voraussetzung für die Entstehung des Geistes, weil das Geistige anderenfalls theoretisch sofort verpuffen würde. Es ist ja nichts Fassbares. Um wirksam zu werden, benötigt Geistiges erst einmal einen Speicher, um zeitlich zu überdauern und zweitens benötigt das Geistige auch deshalb Materie, weil es sich in der aktiven Veränderung von Materie zeigt bzw. objektiviert. Man kann auch sagen, Geistiges materialisiert sich. Das Entscheidende ist, dass sich das Geistige in seinen materiellen Wirkungen tatsächlich zeigt.

Nebenbei bemerkt, ist Veränderung von Materie Arbeit im Sinne der Physik, lieber Leser. Wenn der Aufenthaltsort von Materiellem verändert wird oder seine Zusammensetzung verändert, wird Arbeit geleistet. Dabei sei nebenbei auch daran erinnert, dass es Newton zu verdanken ist, die gleichförmige Bewegung als den Ruhezustand materieller Systeme höherer Ordnung beschrieben zu haben.

Die Entwicklung der Speichermedien für Geistiges

Das erste Speichermedium für Geistiges ist das Chromosom bzw. als kleinste Einheit betrachtet: das Gen. Im Chromosom einer lebenden Zelle ist der Bauplan für die Herstellung dieser Zelle gespeichert, bei Mehrzellern der Bauplan für die Herstellung eines lebenden Systems der Größenordnung Individuum. Dieses Speichermedium besteht aus einer Doppelhelix von Nucleinsäuren. Die Chromosomen enthalten Information, sie speichern diese Information sogar doppelt, so dass das Chromosom sich teilen kann, woraus dann 2 gleiche Zellen entstehen.

Mit anderen Worten: die Zelle ist nicht nur ein Informationsträger, sondern sie kann diese Information verdoppeln. Und diese Verdoppelung geht immer weiter, so dass schließlich die in der Zelle enthaltene Information sie über den gesamten Raum verbreiten, der der Zelle Energie und Materie bietet, die dazu erforderlich sind. Bereits ein Einzeller ist also in der Lage, Information, also Geistiges, zu speichern und zu verbreiten. Die Verbreitung der Information erfolgt durch die Vermehrung der Individuen, also der Zellen.

Betonen möchte ich, liebe Freundin, dass mit der Entstehung der Einzeller auf der Erde bereits etwas völlig Neues entstanden ist, dass bis dahin nicht existierte, nämlich die Information. Dies übrigens nicht im Sinne der sogenannten Informationstheorie, die sich ja nur mit der Datenmenge befasst, sondern in dem Sinn, dass Information Geistiges darstellt. Wenige Daten können sehr viel dieser Information im umgangssprachlichen Sinn enthalten.

Das zeitlich nächste Speichermedium für Geistiges ist das Gehirn. Tiere, die ein Gehirn besitzen, können in diesem Organ Information speichern. Tiere bewegen sich aktiv, um Nahrung und Partner zur Vermehrung ihrer genetisch gespeicherten Information zu finden. Und um diese Bewegungen, insgesamt ihr Verhalten, sinnvoll zu gestalten, benötigen sie einen neuen Informationsspeicher. Das ist das Gehirn, allgemeiner gesagt, ihr Nervensystem.

Der Sinn menschlichen Lebens

Nun komme ich endlich zum Sinn menschlichen Lebens.

Das Geistige, das im Gehirn des einzelnen Tieres und auch des Menschen gespeichert ist, geht mit dem Tod des Individuums verloren. Die in den Genen gespeicherte Information geht auf die Nachkommen über und bleibt damit in der Tierart erhalten, sofern diese nicht ausstirbt. Aber der geistige Inhalt des Gehirns stirbt mit dem Tod des Systems Individuum.

Die Sprache

Der erste geniale Schritt der Menschheit war nun die Entwicklung von Sprache.

Sprache ist nicht angeboren, sie nicht genetisch präformiert. Jeder Mensch muss nach seiner Geburt Sprache erlernen. Leider hat die Menschheit keine einheitliche Sprache entwickelt, so dass Sprache die Menschheit in diverse Sprachgemeinschaften trennt. Von den vielen Sprachen, die auf der Erde gesprochen werden, erlernt der Mensch lediglich seine Muttersprache und vielleicht eine oder wenige andere Sprachen.

Sprache bedeutet, dass jegliche Wahrnehmung, sei diese optisch, olfaktorisch oder anderen Sinnesgebieten zuzuordnen, einem Begriff zugeordnet wird, ebenso die menschlichen Tätigkeiten. Wahrnehmung und Verhalten sowie Gefühle werden damit gedoppelt. Während das Tier, das über Sinnesorgane verfügt, nur mittels der Erinnerung an diese Wahrnehmungen denken kann, kann der Mensch als Individuum nun in Form von Worten denken. Beispielsweise sieht der Mensch nicht nur einen Baum, ein Haus oder irgendetwas anderes, sondern diese optische Wahrnehmung wird in Begriffe, in Worte, übersetzt. Während beispielsweise die Kuh oder ein anderes Säugetier, das über die gleich konstruierten Augen verfügt, diese Objekte nur sieht, sich damit nur optisch an sie erinnert und nur sozusagen einen Film denken kann, versetzt die Sprache den Menschen in die Lage, auch in Worten zu denken. Eine Folge dieser menschenspezifischen Fähigkeit kennt jeder, der einen Computer zur Speicherung von Bildern und Worten nutzt: während das Speichern eines Bildes eine riesige Menge an Speicherplatz benötigt, braucht das Wort nur einen winzigen Bruchteil dieses Speicherplatzes. Mit anderen Worten: mittels Sprache kann bedeutend mehr Information gespeichert werden als mittels Bildern bzw. Filmen. Aber das nur nebenbei.

Wichtiger ist jedoch eine andere Folge: Bilder, die im Gehirn gespeichert werden, können nur schlecht kommuniziert werden. Es müsste gemalt werden, wenn es einem Mitmenschen übermittelt werden sollte. Ein Wort, Begriffe können jedoch akustisch ausgetauscht werden. Bilder können nur optisch übermittelt werden, die Sprache akustisch. Sprache besteht in der Modifizierung von Schallwellen. Der Sender formt die Schallwellen mittels seines Kehlkopfes. Der Empfänger nutz sein Gehör, um diese Signale zu registrieren und mittels seines Gehirns die in ihnen enthaltene Information zu entschlüsseln. Der Schall reicht allerdings nur einige Meter weit und ist nur für kurze akustisch wahrnehmbar, so dass Sprache nur dem Informationsaustausch zwischen 2 Menschen, die einige Meter auseinander stehen, dienen kann, natürlich auch für mehr eng zusammen stehen Menschen. Dennoch sichert diese Weitergabe von Information, also von Geistigem, den Informationsaustausch, da die geistigen Inhalte der Information im Gehirn des Empfängers gespeichert werden kann.

Das sichtbare Objekt wird in einen Begriff, also in etwas Geistiges, übersetzt und gespeichert. Es ist damit Geistiges entstanden. Dies ist zwar die Geburt des Geistigen oder des Geistes, aber in diesem Entwicklungsstadium der Informationsspeicherung geht dieses Geistige weiterhin mit dem Tod des Individuums verloren. Es existiert jedoch im Gehirn des Empfängers, der den Tod des Senders überlebt, weiter. Dadurch bleibt es im kollektiven Gedächtnis der Sprachgemeinschaft erhalten.

Die Begriffe, die gebildet werden, sind allerdings keine Privatsprache des Individuums, sondern die Begriffe sind in der Gemeinschaft entstanden, die sich über deren Bedeutung geeinigt hat. Daher ist Sprache keine Eigenschaft des Individuums, sondern Sprache und die Erinnerung mittels Sprache sind eine Eigenschaft des Kollektivs eine Eigenschaft der jeweiligen Sprachgemeinschaft, eine Eigenschaft des lebenden Systems höherer Ordnung – eben der Sprachgemeinschaft. Durch die Sprache hat sich ein lebendes System höherer Ordnung gebildet, das sein Handeln als Gemeinschaft und die Interaktion seiner Angehörigen mittels Sprache koordiniert. Das System kann nun als Einheit koordiniert Handeln, beispielsweise jagen oder kriegerische Auseinandersetzungen gegen um Nahrung konkurrierende andere menschliche Gruppen führen. Das Kollektiv, das seine Handlungen mittels Sprache besser koordinieren kann, ist natürlich dem weniger gut oder nicht sprechenden Nachbarclan überlegen und wird selektiert im Sinne der Evolutionstheorie. Man sieht hier, das Selektion nicht mehr die besseren Gene selektiert, sondern das besser sprechende Kollektiv. Es wird von nun an Sprache selektiert, schlechter sprechende menschliche Gemeinschaften gehen zugrunde und Sprache entwickelt sich nach den von Darwin gefunden Prinzipien weiter.

Das körperextern gespeicherte Geistige, die Schriftsprache

Der nächste Schritt der Speicherung von geistigen Inhalten besteht in der körperexternen Speicherung von Sprache.

Dazu haben menschliche Kollektive an verschiedenen Stellen auf der Erde die Schriftsprache erfunden. Schriftsprache bedeutet, dass akustische Signale in optische Signale übersetzt werden.

Bezogen auf optische Wahrnehmungen heißt das, dass zunächst wahrgenommene Bilder oder Filme in akustische Signale (Sprache) übersetzt worden sind und wieder in optische Signale zurückübersetzt werden. Das Objekt (beispielsweise der Baum) wird zunächst zum Begriff, dem Wort "Baum", also zu einem akustischen Signal. Dieses akustische Signal wird nun zurückübertragen in ein optisches, jedoch nicht in eine Bild, sondern in ein geschriebenes Wort, das vom Empfänger gelesen werden kann, also optisch wahrgenommen werden kann.

Der grandiose Vorteil dieser Rückübertragung in ein optisches Signal besteht darin, dass dieses Wort bzw. die Sprache mit ihren geistigen Inhalten nun dauerhaft außerhalb des Individuums gespeichert werden kann. Wir haben den dritten Informationsspeicher nach den Chromosomen und dem Gehirn entdeckt. Zunächst ist hier historische die Speicherung auf Steinen (Keilschrift) zu erwähnen, später die Speicherung auf Paper, inzwischen die Speicherung auf Festplatten von Computern, Disketten und Sticks. Diese körperexterne Informationsspeicherung erlaubt es inzwischen dem Individuum, die geistigen Inhalte seines Denkens mittels des Internets zeitgleich im Prinzip allen auf der Erde lebenden Individuen mitzuteilen.

Die Wissenschaftssprachen

Das, liebe Freundin, ist nun immer noch nicht alles. Neben den Umgangssprachen haben die Menschen inzwischen weiter Sprachen entwickelt, nämlich die Sprachen der verschiedenen Wissenschaften. Der Mathematiker kann mit seinen Kollegen in der Sprache der Mathematik über die ganze Erde kommunizieren, ebenso der Physiker, der Chemiker usw. usw.

Durch die Entwicklung des dritten Datenspeichers außerhalb der menschlichen Individuen und deren Verbreitung durch das Internet ist eine entscheidende Neuerung eingetreten: nämlich die Beschleunigung der Vervollkommnung von geistigen Erkenntnissen. Zur Verbesserung geistiger Inhalte, also hier von Plänen zur Konstruktion lebender Individuen, hat die genetische Evolution Jahrtausende und länger benötigt. Zur Entwicklung von Flügeln bei Tieren hat vielleicht Jahrmillionen gedauert, weil die Information lediglich auf dem Weg von einer Generation auf die nächste modifiziert werden konnte. Der Mensch ist mittels seiner Speichermöglichkeiten außerhalb seines Körpers und der Übermittlung durch Schriftsprache, Büchern und Internet in der Lage innerhalb weniger Jahrtausende Flügel zu konstruieren. Und diese haben den Vorteil, nicht fest am Individuum zu kleben, so dass sie ständig mit herumgeschleppt werden müssen und ernährt werden müssen. Sie stehen in Form von Flugzeugen und Hubschraubern bereit, die mit körperexternen Energieträgern betrieben werden können.

Folge dieser menschlichen Fähigkeiten zur Speicherung von Geistigem ist die beschleunigte Entwicklung der Wissenschaften und der Technik.

Der Sinn menschlicher Existenz

Ich möchte nun zur Ausgangsfrage zurückkehren, lieber Leser, und diese beantworten.

Der Sinn menschlichen Lebens besteht in der Erfindung von Sprache, von Schriftsprache und der Speicherung deren geistiger Inhalte außerhalb des menschlichen Körpers.

Diese Erfindung ist ein entscheidender Schritt zur Beschleunigung der Extropie. Es besteht damit die Hoffnung, dass das Universum nicht der Wärmetod stirbt, der in Jahrmilliarden naturgesetzlich eintreten würde. In Anbetracht dieses langen Zeitraums oder des geringeren Zeitraums, in dem das Sonnensystem untergehen wird, und in Anbetracht der Entwicklung des Geistigen, die nicht linear erfolgt, sondern sich in Schritten (Quanten) immer weiter beschleunigt, besteht die Möglichkeit, dass diese anti-entropische Entwicklung die Entropie einholen und überholen könnte, so dass der Wärmetod des Universums verhindert werden kann.

Die geistige Entwicklung der Menschen mit der Erfindung von Begriffen, Sprechsprache, Schriftsprache und damit der Beschleunigung der Entwicklung des Geistigen ist ein entscheidender Schritt dahin, die Entropie der Materie des Universums ins Leere laufen lassen zu können.

Damit diese positive Entwicklung weitergeht, wäre es allerdings erforderlich, die Übervermehrung der Menschen auf der Erde zu stoppen und die Menschenzahl auf ein erträgliches Maß für das System Erde, dessen Teil wir sind, zu verringern. Das wäre leicht möglich. Auf welche Weise dies ohne Krieg und Hunger geschehen könnte, beantwortet die Philosophie lebender Systeme an anderer Stelle. Falls dieser Schritt der Verringerung der Menschenmenge auf der Erde nicht getan werden sollte, wird sich die Erde naturgesetzlich vom System Menschheit befreien. Oder anders ausgedrückt: die Menschheit wird sich zu Tode wachsen und damit die Weiterentwicklung des Geistigen verhindern.

Der Sinn individuellen Lebens

Liebe Freundin, lieber Leser,

Sie werden mich nun vielleicht verzweifelt fragen: hat denn unser persönliches individuelles Leben gar keinen höheren Sinn?

Darauf kann Ihnen die Philosophie lebender Systeme – also ich – folgende Antwort geben. Höher und tiefer ist relativ, es hängt vom Blickwinkel ab, ob etwas hoch oder tief ist. Es gibt jedoch auch einen wissenschaftlichen, nämlich biologischen Sinn individuellen Lebens. Das Leben des Individuums ist nicht überflüssig, da kann ich Sie beruhigen. Diesen objektiven Sinn individuellen Lebens dürfen Sie natürlich gern als "höher" bezeichnen, liebe Freundin. Allerdings betrifft dieser höhere Sinn nicht nur das menschliche Individuum, sondern jedes lebende Individuum, jedes lebende System der Größenordnung Individuum. Die Individuen sind ja nicht nur die Träger der in ihren Zellen genetisch gespeicherten Information über die Konstruktion eines neuen Individuums, sondern sie haben auch eine Funktion bei der Vermehrung und der Aufzucht dieser Individuen. Der geistige Inhalt ist im Chromosomensatz gespeichert. Diesen zu erhalten, indem sich das Individuum am Leben erhält und diesen zu vermehren – im Fall zweigeschlechtlicher Vermehrung durch Kopulation – das ist der Sinn indivduellen Lebens. Diese Kopulation herbeizuführen und den Nachwuchs aufzuziehen ist gar nicht so einfach, wie sich das möglicherweise für Sie liest, lieber Leser. Viele Tiere benötigen dafür einen exzellenten Geruchssinn, um einen Partner zu finden oder sie müssen Gesangskünste entwickeln, wie bespielsweise die Vögel. Dieses sogenannte Balzverhalten ist beim Menschen ähnlich wie bei vielen anderen Tierarten, in unserer Gesellschaft ist es eventuell mit hohen Kosten verbunden, weil inzwischen auch mittels körperexterner Organe, wie der Kleidung und dem Auto, gebalzt wird. Besonders kostenintensiv ist in der heutigen menschlichen Gesellschaft die Aufzucht des Nachwuchses. Die Eltern sind gezwungen, ihre Arbeitskraft den sogenannten Arbeitgebern zur Verfügung zu stellen, morgens regelmäßig früh aufzustehen und den Tag auf der Arbeit zu verbringen, um die Kosten für die Aufzucht der Jungen aufzubringen. Alle diese Mühen belohnt die Natur mit einem sogenannten Orgasmus, mit dem sie die kopulierenden Individuen erfreut, wenn die Spermien in den dafür vorgesehenen Behälter deponiert werden. Der Biologe nennt diesen Behälter Scheide. Die Spermien des männlichen Individuums dringen dann in einen weiteren Behälter ein, in dem nach der Vereinigung eines Spermiums mit einer weiblichen Eizelle das Kind – oder mehrere Kinder, wie bei vielen Tieren - heranwächst. Dieser Vorgang bezieht sich natürlich auf sogenannte Säugetiere. Bei anderen Tierarten und bei Pflanzen ist dies etwas anders, was aber hier egal sein kann. Es geht ja um den Sinn menschlichen Lebens. Den Behälter, in dem das Kind die ersten 9 Monate (bezogen auf den Menschen) aufwächst, nennt die Biologie Uterus. In der Literatur wird dieser Behälter bisweilen auch Gral oder heiliger Gral genannt. Leider hatten die Ritter der Tafelrunde das falsch verstanden und diesen Gral außerhalb des weiblichen Körpers gesucht und natürlich nicht gefunden.

Nach der Geburt, die sehr schmerzhaft sein kann, beginnt dann der energetisch aufwändigste Teil des Sinns menschlichen Lebens, nämlich die Aufzucht, die später in der modernen menschlichen Gesellschaft einen hohen finanziellen Aufwand erfordert, vor dem sich die Individuen, speziell viele Väter, gern drücken. Die Philosophie lebender Systeme ist daher der Meinung, dass menschliche Individuen zunächst nachweisen sollten, dass sie finanziell in der Lage sind, Kinder aufzuziehen, bevor ihnen gestattet wird, eine Elternschaft anzutreten. Nur Individuen, die dies nachweisen können sollten Kinder bekommen dürfen. Das Problem der Überbevölkerung der Erde würde sich dann von selbst lösen.

Zum Schluss aber noch ein positiver Gedanke, der Sie aufmuntern könnte, lieber Leser: das Schönste am Leben ist, dass das Bestechungsheld der Natur, der Orgasmus, nicht nur beim Höhepunkt der Kopulation auftritt, sondern dass man ihn jederzeit selbst durch Manipulation erzeugen kann. Das menschliche Individuum hat also die Möglichkeit, die Natur auszutricksen und sich das Lustgefühl zu nehmen, ohne die Mühen auf sich zu nehmen, die die Natur für den Zeitraum nach der Befruchtung des Eis vorgesehen hat.

Rudi Zimmerman, Philosoph lebender Systeme, Berlin, den 12.11.2017

 

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Biologisch besteht die Erdbevölkerung aus Horden schwer bewaffneter sprechender Affen. Kann die Evolution des Geistes diese zu einer Menschheit einen?

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Hier gehts zu einem Aufsatz über das Geistige, nämlich die Information und ihre Übermittlung. Die Informationstheorie der PhilS

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Das System Mensch.
Konstruktion und Kybernetik des neuen ganzen Menschen.
ISBN 3-00-012784-4

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Das Individuum als selbstkopierender Datenträger und das Zeitalter des Systems Mensch.
ISBN 3-8311-1902-3

Philosophie lebender Systeme.
ISBN 3-00-004282-2
wird gerade überarbeitet und erscheint demnächst in 2. Auflage

Zivilisation als Fortsetzung der Evolution.
Die Entwicklung der Erdbevölkerung zum System Menschheit.
ISBN 978-3-00-024701-9