Andreas Lubitz

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Andreas Lubitz, der Todespilot

Stichworte: Selbstausbeutung; vorschnelle Schlussfolgerung; Arbeitsunfähigkeit

Die Selbstausbeutung

Liebe Freundin, sehr geehrter Leser,

im Februar 2015 schrieb ich Ihnen einen Brief zum Thema Selbstausbeutung, einem Begriff des Philosophen Byung-Chul Han. Ich gab zu bedenken, dass die von ihm beschriebene Selbstausbeutung Ursachen hat, die er nicht umfassend analysiert hatte. Nun gab es ein tragisches Flugzeugunglück. Der Copilot eines Flugzeugs steuerte den Airbus, in dem sich außer ihm 149 Menschen befanden, am 24.03.2015 in den Alpen gegen einen Berg. Die französische Staatsanwaltschaft, die den Fall untersucht, erklärte, dass er dies willentlich getan haben müsste, da er bis zu dem Crash atmete, also lebte.

Vorschnelle Schlussfolgerung

Die staatsanwaltschaftliche Schlussfolgerung, dass er dies bewusst getan habe, muss allerdings bezweifelt werden, liebe Freundin. Fällen Sie bitte nicht auch so ein vorschnelles Urteil, sondern bedenken Sie die Fakten, die inzwischen ans Tageslicht kamen. Der Copilot Andreas Lubitz, der nicht mehr auf Ansprache reagierte, aber tief atmete, also lebte, war zum Zeitpunkt des Vorfalls aus ärztlicher Sicht arbeitsunfähig. Man fand in seiner Wohnung eine zerrissene Krankschreibung für diesen Tag. Die Presse spekuliert nun, dass er depressiv war.

Ein Beispiel der Selbstausbeutung

Offensichtlich ist, dass sich dieser junge Mann ganz im Sinn Byung-Chul Hans selbst ausgebeutet hat. Trotz seiner Beschwerden und der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit, die ihm sein Arzt attestierte, blieb er nicht zu Hause und pflegte sich, sondern nahm auf seine Gesundheit keine Rücksicht und ging zur Arbeit. Er beutete sich, seinen Körper, seine Gesundheit aus. Warum wohl, liebe Freundin? Er befürchtete wahrscheinlich, seinen Arbeitsplatz verlieren zu können, wenn er nicht pünktlich zu seinem Dienst erschien. Oder er wollte seine Kollegen schonen, die an seiner Stelle den Flug hätten übernehmen müssen. Oder er meinte, sein Gesicht verlieren zu können, wenn er "krank macht" – so wird eine Erkrankung ja gern interpretiert. Offensichtlich war ihm dies wichtiger als die Verantwortung für die Passagiere des Flugzeugs, das er mitsteuern musste.

Ist es nicht erschreckend, dass Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Rücksichtnahme auf Kollegen höher bewertet werden als die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Menschen, für die man Verantwortung trägt? Der Druck der Vorgesetzten und der Mitarbeiter, der Druck des drohenden Arbeitsplatzverlustes, der eine Ursache für die von Byung-Chul Han beschriebene Selbstausbeutung sein kann, wie ich Ihnen im Februar erläuterte, hat in diesem Fall zu einer Katastrophe geführt, die selbstverständlich keiner voraussehen konnte, auch nicht der Betroffene, Herr Lubitz.

Die Krankheit des Todespiloten

Liebe Freundin, verehrter Leser,

die Öffentlichkeit spekuliert nun, der Copilot hätte an einer Depression gelitten. Er sei vermutlich narzisstisch gestört und habe aus Wut über irgendwelche Kränkungen, die ihm von der Gesellschaft zugefügt wurden, also aus Rachegefühlen heraus, gehandelt. Sogar Fachleute, Psychiater, wurden interviewt und äußerten derartige Meinungen.

Das sind reine Spekulationen.

Für narzisstische Kränkungen gibt es gar keine Anhaltspunkte. Das Fliegen war der Traum des Herrn Lubitz und diesen hatte er erreicht. Aus welchem Grund sollte er Hassgefühle auf die Gesellschaft haben? Und warum gab er keine Antworten beim Sinkflug? Er wusste, dass ein Stimmenrecorder mitläuft, den man später finden müsste, und hätte der Gesellschaft seine Kritik mitteilen können. Dafür hatte er 7 Minuten bis zum Aufprall Zeit. Er war jedoch während dieser Zeit stumm und atmete hörbar. Welcher gesunde Mensch atmet eigentlich hörbar? Normalerweise hört man die Atmung des Menschen doch gar nicht.

Nein, lieber Leser. Er muss an einer anderen Erkrankung gelitten haben.

Die Epilepsie

Beispielsweise passt zu vielen bekannten Tatsachen (Stummheit, schwere Atmung) eine nicht seltene Krankheit, nämlich eine Epilepsie. Herr Lubitz könnte einen epileptischen Dämmerzustand gehabt haben.

Er könnte Epileptiker gewesen sein, der sich trotz dieser Krankheit seinen Traum erfüllen wollte und die Epilepsie verschwieg. Und bei regelmäßiger Einnahme von Antiepileptika muss auch nicht mit generalisierten Krampfanfällen gerechnet werden. Möglicherweise hatte er an diesem Tag seine Medikamente vergessen einzunehmen, oder er hatte zusätzlich andere Mittel eingenommen, die die Wirkung der Antiepileptika entgegenwirken. Oder er hatte an diesem Tag besonders viel Aufregung. Auch emotionaler Stress kann einen epileptischen Anfall oder Dämmerzustand auslösen. Vielleicht stellte die Erfüllung seines Traums, ein derartiges Flugzeug allein steuern zu dürfen, einen derartigen Stress dar? Alle diese Fragen wären zu klären, bevor ein Urteil gefällt wird, lieber Leser.

Wir wollen also erst einmal auf weitere objektive Informationen, auf Tatsachen, warten, bevor wir Herrn Lubitz verdammen.

In diesem Sinn verbleibe ich Ihr

Rudi Zimmerman, Berlin, den 27.03.2015

p.s.: wie dem Abschlussbericht der Untersuchungsbehörde dieses Ereignisses zu entnehmen ist, war Herr L. bei mehreren Ärzten in psychiatrischer Behandlung und wurde mit Psychopharmaka behandelt. Eigentlich sollte Lubitz nach dem Willen eines seiner Ärzte in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden. Der Mediziner habe am 10. März - zwei Wochen vor dem Absturz - eine mögliche Psychose diagnostiziert und eine Einweisung empfohlen. Bei dieser Sachlage wird in Deutschland im Falle eines Strafverfahrens immer ein psychiatrisches Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit eingeholt. In diesem Fall wäre es durchaus denkbar, dass Herr Lubitz zum Zeitpunkt des sogenannten mutwillig oder bewusst herbeigeführten Absturzes nicht schuldfähig war. Die französische Behörde hat es unterlassen, diese Frage der Schuldfähigkeit zu klären.  

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